auf ein neues
was passiert hier so alles. hm, mal ueberlegen. ulrike hat ihren job gestartet und ist glaube ich relativ gluecklich. ich war im gegensatz zu ihr nicht ganz so gluecklich und habe mich deshalb entschieden die firma zu wechseln (nach einem jahr im job). Das heisst wieder cv (lebenslauf) updaten und an die agenturen verschicken. Dann laeuft alles wieder nach schema “f”.
- 1. “hi, mein name ist x von der agentur y. ich habe hier deinen cv und muss sagen er sieht gut aus. Wieviel verdienst du im moment? Wie viel wuerdest du gerne im neuen job haben? Was willst du eigentlich machen? Welche firmen interessieren dich?”
- 2. wenn 1. ok ist, dann geht es weiter mit
agentur: “oh, ich habe hier einen ganz genialen job den du dir unbedingt ansehen musst. Die firma heisst x, sie sind in der city und ueberhaupt das beste team was es in der city gibt.” ich: “ja klingt ja gut, aber die firma sagt mir ueberhaupt nichts und mir ist es im moment wichtig das ich in eine firma mit einem guten namen wechsle. In Deutschland sieht 1 jahr in einem job immer sehr komisch auf dem cv aus und man muss den leuten dann immer erklaeren warum man gewechselt hat.” dann kommt entweder “ok, dann habe ich hier noch x, die sind ja megagross wie du weisst” oder “sorry mate, dann rufe ich dich wieder an, wenn ich etwas habe.”
So lief das dann mal wieder ab, mehrere anrufe von den agenturen, cvs hin und herschieben. Maechtig auf die ka… hauen und very passionate rueberkommen. Mit einem agenten habe ich mich dann auch mal bei starbucks getroffen und er hat mir von den ganzen banking jobs erzaehlt die hier so alle im umlauf sind. Hatte dann auch ein telefoninterview und ein face-to-face interview und alles lief mal wieder schnuckelig gut. Nach 3.5 jahren “commercial experience” weiss man auch so langsam welche fragen kommen werden, wie man reagieren muss, was die leute hoeren wollen, wie man sie ueberzeugen kann etc.. wichtig ist auch zu verstehen, dass man auch selber viel fuer sich rausfinden muss – man will schliesslich nicht in “irgendeine” firma rein und dort nur sauerstoff verbrauchen. Man stellt also an auch fragen zu stellen, ueber die leute die dort arbeiten, die software prozesse die sie nutzen, die systeme die sie nutzen etc. pp. die leute aus der industrie wissen sicher was ich meine (gruesse an Philip, Jochen und ingo an der stelle
) habe jetzt auch eine neue stelle bei einem der groessten isp (internet service provider) angenommen. Die geschichte lief dann in etwa so ab:
- 1. 1.20h telefoninterview mit dem development manager, einem schweden. (ganz klassisch in einem abgelegenen, ruhigen park mitten in der city, so dass auch bloss keiner wind bekommt)
- a)cv durchgehen
- b)viele technische fragen beantworten (ca. 70% der zeit)
- c)dann kommt der punkt, wo der interviewer entweder sagt “danke, wir melden uns dann wieder” (was natuerlich dann nicht passiert) oder “super, dann erzaehl ich dir mal was wir so machen und warum wir leute suchen”
- d)“super, dann erzaehl ich dir mal was wir so machen und warum wir leute suchen”
- e)vielen dank fuer das gespraech, falls wir interesse haben, dann melden wir uns ueber die agentur
- f)auflegen und wieder in die firma hechten
meistens klingelt dann irgendwann der agent und fragt nach meinem “bauchgefuel” und ob ich interesse habe. Am naechsten tag rief der agent dann wieder an und sagte, das die firma mich gerne zu einem face-to-face interview einladen moechte. Gesagt getan. Wieder ein bisschen frueher von der arbeit nach hause, in den anzug schmeissen, siegerlaecheln drauf und ab dafuer. Dort angekommen erstmal anmelden, besucherausweis holen und nervoes rumsitzen. Dann kommt auch irgendwann jemand und man verkruemelt sich in einen meeting raum. Das gespraech war fuer eine stunde geplant, nach 2 stunden haben wir dann abgebrochen und gesagt “das lief ja alles ganz gut”. Man hat dann moistens auch schon ein relative lockers gespraech aufgebaut und es faengt an spass zu machen. Der eigentliche talk war wenig auf technische sachen focusiert, eher auf sachen wie “wie wuerdest du leute motivieren”, “was denkst du ueber folgende vorgehensweise” etc.. es lief alles sehr gut, aber die verabschiedung endet dann meistens mit beiderseitigem “pokerface” und einem kuehlen “wir melden uns dann bei der agentur”, handshake und tschuess. Die agentur hat sich dann gemeldet und gesagt “wow, super, mega, die waren total angetan von dir”. Man muss natuerlich immer in hinterkopf haben, dass sie “kopfgeldjaeger” sind und fuer jeden abgelieferten, d.h. vermittelten, dicke prozente kassieren. Durch diese prozente koennen guten agenten richtig dicke kohle machen, scheint aber auch ein sehr “busy” job zu sein. Alle mit denen ich bisher zu tun hatte waren sehr “jung und dynamisch”
na, ja jedenfalls zwischendurch noch ein face-to-face interview bei einer der weltweit groessten banken, von dem ich aber nicht so ueberzeugt war. Dann kam die dritte einladung zum isp. Das heisst dann auch, dass danach entweder ein “angebot” von der firma kommt oder eben nicht. Das lief dann mit dem “technical director” ab und war eher “business maessig”. Der beste hat kaum eine miene verzogen und nur “knifflige” fragen gestellt. Ich konnte ihm dann ab und an ein laecheln abgewinnen und ihn sogar zum lachen bringen. Nach circa 30min kam dann noch der development manager vom ersten und zweiten interview dazu und die stimmung wurde ein bisschen lockerer. Nach weiteren 10min haben sie mich gefragt, ob ich noch etwas wissen muesste. Ich “verlangte” dann einen anderen software developer (“code monkey”, wie sie hier gerne sagen) zu sprechen. Der war “senior developer” und schon 2 jahre bei der firma. Das lief dann auch alles sehr geschmeidig und ich hatte das gefuehl sehr ehrliche antworten zu bekommen. Er hat mir dann auch erzaehlt, dass die firma ganz vorne dabei ist bei sachen wie “agile”, “extreme programming”, “scrum” etc. und das die firma “thoughtworks” mit dem chef “martin fowler” auch ueber ein jahr mit ihnen zusammengearbeitet haben. Den meisten werden diese sachen nichts sagen, aber “martin fowler” ist einer der heutigen goetter im entwicklerolymp. Na ja bin halt doch ein “code monkey”
nach ca. 1.30h war auch dieses interview beendet und ich bin wieder an die arbeit geflitzt. Ein paar stunden spaeter der erwartete anruf vom agenten und “die wollen dich haben. Wieviel wollen wir verlangen? Wann kannst du anfangen? Und ueberhaupt schnell, schnell, schnell.” Immer im hinterkopf natuerlich das vielleicht noch anderen agenturen mit mir in kontakt stehen und mich schneller “wegfischen” koennten. Nach einem wochenende bedenkzeit war der entschluss dann gefasst und ich habe zugesagt. Gar nicht so einfach bei dem angebot von jobs hier. Man ist sich irgendwie nie sicher, ob es das jetzt ist, ob das die meiste kohle ist die man bekommen kann, ob die benefits stimmen etc.. aber es ist natuerlich auch ein gutes gefuehl zu wissen, dass man schnell den job wechseln kann und auf dem arbeitsmarkt gefragt ist.
Werde dort jetzt anfang januar 2008 anfangen. Mein weg zur arbeit wird sich um 50% verkuerzen, werde ein bisschen mehr geld verdienen und hoffentlich ein bisschen mehr “gechallenged” sein.
Habe schon wieder angst vor deutschland. wenn man das bewerbungsverfahren vergleicht, dann fallen viele unterschiede auf, z.b.
- 1.hier reicht ein einfacher cv, ohne anschreiben, ohne bild und ohne “schicke verpackung”
- 2.feedback bekommt man meistens innerhalb weniger stunden oder minuten nachdem man den cv abgeschickt hat
- 3.es geht nicht nur darum, was der bewerber fuer die firma tun kann sondern auch was die firma fuer den bewerber tun kann – ein gegenseitiges interessenverhaeltnis also wenn man sich ein deutsche stellenausschreibung im vergleich ansieht, dann denkt man man muss betteln um den job zu bekommen.
- 4.es geht hier nicht darum, wo man herkommt, wie man aussieht oder wie alt man ist – sondern nur darum was man kann (wahrsch. helfen best. Sachen den job zu bekommen, aber offensichtlich geht es nur um das was man kann)
- 5.man kann hier natuerlich ohne kuendigungsschutz wieder auf die strasse gesetzt werden, was natuerlich in D nicht so einfach ist
ich denke vieles liegt daran, dass man ITler und die im moment sehr gefragt. In anderen branchen laeuft sicher nicht so einfach – vielleicht aber doch – who knows.
ich habe viele leute in der firma sehr ins herz geschlossen. teilweise eine sehr funny “crowd”. werde die firma also mit einem lachenden und weinenden auge verlassen. aber so ist das leben mal nun. staendig muss man sich trennen, wieder neue leute kennenlernen, sich anpassen - ach jeder der schonmal in einer anderen stadt gelebt hat, weiss sicher was ich meine.
frei nach der sendung mit der maus - “das war bewerben auf englisch”
so, hoffe ich konnte ein bisschen einblick geben, wie das hier so ablaeuft.
Marcel
Ps: kritik und kommentare wie immer gerne gesehen bzw. gelesen
Pps: sorry fuer die rechtschreibfehler im text, aber die engl. word version hat hier viel “verschlimmbessert”


Irmi said,
December 4, 2007 @ 10:21 am
Hi marcel,
Gratuliere zu deinem neuen Job. melde mich demnächst ausführlicher per Mail.
LG irmi
Ingo said,
December 13, 2007 @ 11:06 am
YESS!
Ich wusste doch, dass Du ein ganz großer wirst! Jetzt noch ein paar Jahre Monkey und dann seh ich irgendwann bei Amazon ein Buch “Beyond Patterns - by Marcel Sauer” oder so ähnlich.
Und btw: Wechsel nach 1 Jahr ist nur dann ein Problem, wenn man es nicht schlüssig erklären kann. Und Unterforderung ist m.E. ein sauguter Grund um nach 1 Jahr zu wechseln.
Mach’s jut Jung.
Ingo
marcel sauer said,
December 13, 2007 @ 11:34 am
danke ingo
wir sehen uns dann zum büchersignieren in münchen wieder
marcel
Dominik said,
January 13, 2008 @ 12:21 am
Hi Marcel,
weiter so mit den ausführlichen Berichten! Dadurch kann man sich wirklich ein gutes Bild machen. Apropos: Deine Fotos sind wirklich toll und werden immer besser! Wünsche Dir einen tollen Start in den neuen Job und hoffe, wir sehen uns bald mal in London.
Viele Grüße aus Minga!
Dominik